Vom Tod zum Leben

Vlado Franjević: BERÜHRUNG DER STILLE

Die Einladung zur Teilnahme and der Ausstellung „Vom Tod zum Leben“ nutzte Vlado so, dass er deren Projektleiter Pf. Thomas Beerle vorschlug seine Lyrik zum gleichen Thema auf Kroatisch und Deutsch vorzutragen. Was schlussendlich damit resultierte, dass Vlado am 12. März 2010 an der Vernissage seine Gedichte in der Begleitung von Andrea Kind am Hackbrett vortrug.

Die Möglichkeit um hier aufzutreten nutzte Vlado auch so dass er mit der freundlichen Unterstützung der Druckerei Drage aus CH-Diepoldsau einen kleinen Gedichtesband unter dem Titel BERÜHRUNG DER STILLE veröffentlichte. Das Lektorat deutscher Texte in dem Büchlein übernahm Joachim Batliner aus FL-Triesen.  

Lesen Sie bitte hier unten zwei Gedichte die im Band zu finden sind, bzw. an der Vernissage am 12. März vorgetragen wurden!

 

BERÜHRUNG DER STILLE

 

sie berührte mich unerwartet

in mich verlibt

mein ich saugte sie in sich

hinein

 

in diese ewige

ergab ich mich

betäubt und leidenschaftlich

es hat mir gefallen

 

sie berührte mich

tastete

saugte ein

 

liebe stille

    

 

 

ZWEIUNDFÜNFZIG TOTE

 

dreizehn tote buchstaben auf dem papier

dreizehn tote marienkäfer in einem mohnfeld

dreizehn tote wildschweine

auf den karren der  jäger

dreizehn tote menschen

mütter

töchter

söhne

in einem niedergebrannten haus

sind alle zweiundfünfzig

gleichberechtigt in ihrem tod

 

 

 

 

 

Lyrikband URAUFFÜHRUNG

ISBN 3-8311-1807-8

 

Lyrikband URAUFFÜHRUNG wurde 2001 publiziert. Die erste Präsentation dieses Bandes fand wehrend der Vlados Ausstellung in der Galerie "Artestade", und unter der Leitung vom Dr. Thomas E. Wanger, in FL-Vaduz statt. Gegen das Februarende 2009 veröffentlichte Vlado an seiner Facebook Profilseite die ersten 8 Gedichten aus diesem Band:

 

***

 

URAUFFÜHRUNG
Uraufführung
dich an der Null
die nicht
nichts
ist

BACH ABWÄRTS
Bach abwärts
Blumen
aufwärts

DISZIPLINIERTES RAUSMARSCHIEREN
diszipliniertes Rausmarschieren
bereitete Spass
im Mass

KOLLEKTIVES VERGESSEN
kollektives Vergessen
vermessen
es reimt sich
das Essen
Himmel
Himmel

MOBILES OBJEKT
mobiles
figuratives Objekt
in der Nähe
es hat klare Absichten
dich zu verletzen
und du stehst da
und lachst es nur an

VON EINER BESONDEREN ART
von einer besonderen Art
von einem
in sich angewiesenen Sinn
zum praktischen Handeln
Kreuzweg
absichtilche Verankerung
eines grossen
Irgendetwas

GEDICHT ÜBER DIE TRANSFORMATION
ÜBER DEN TRANSISTOR
ÜBER DIE TRAFO-STATION
ÜBER TRAFALGUARE SQUARE
ÜBER DAS BÜGELEISEN
DAS DER FRAU DER AUTOR
GEHÖRT
fehlender Text

HOCHACHTUNGSVOLL
hochachtungsvoll ist
im Gegenteil zum hochachtungsleer
ein wenig mehr

 

***

 

Vlado freute sich sehr über den Kommentaren zu seiner Poesie! Hier liesst man diese:

 

Also, Vlado, jetzt komme ich:
Ich stelle nämlich mobile Objekte her. (siehe 5)
1. Gedicht; philosophisch tiefsinnig und richtig!!!
2. Gedicht; erzieherisch, positiv
3. Gedicht; traurige, aber wahre Tatsache (öfters erlebt)
4. Gedicht; Hunger in der Welt, aber nicht immer auf Vergessen basierend, vielfach auch auf Trägheit und Undiszipliniertheit, schreit aber zum Himmel
5. Quod erat demonstrandum!!!
6. Fleissig!
7. (achtung Druckfehler=absichtlich) dann ist meiner auch ein Kreuzweg und was für einer!
8. Konfuzius!!!!!!!
9. Hochachtungsvoll wird blutleer geschrieben.
kein hochachtungsvoll, sondern ein lieber Gruss von mir!!!
*
Ich antwortete darauf:
"wooow! jetzt staune ich aber meine liebe Margaretha! und bedanke mich sehr, sehr! Du hast recht gehabt, zuerstmal gab es hier ein fehler. jetzt korrigiere das! vielen dank noch einmal" Und fügte kurz dazu:
"sei bitte so nett und übersetze mir latein!"
*
Margaretha schrieb:
"Uebersetzung: Wie eben vordemonstriert!!!!"
*
Ich schrieb:
"Margaretha...! Vielen Dank! was meinst Du, soll ich später noch welche Gedichte hier veröffentlichen?" :)
*
"das Hochachtungsvoll finde ich nett. Ansonsten kann ich dir nicht sagen, ob es gut ist, oder nicht. Da kenn ich mich gar nicht aus, auf diesem Gebiet."
*
Ich antwortete darauf:
"danke vielmals Ingrid! wobei, ich erkenne in Deinem statement ein stück von ausreden! :) wozu das bitte sehr? es geht nicht immer um "gut" oder "ungut" sein! :) liebe grüsse und all the best"
*
Ingrid:
"nein, keine ausrede, Gedichte sind nicht so mein Ding, interessieren mich eigentlich nicht wirklich und ich habe auch nicht den Hintergrund darüber zu urteilen, ohne Ausrede. Ich lese es und denke, ok, aber Emotionen ruft Poesie bei mir nicht hervor, im Normalfall. Frauen sollten vielleicht Gedichte mögen. Ich gehöre mal nicht zu denen. Aber das Hochachtungsvoll das finde ich echt witzig, immerhin emotion" ;-)
*
Ich:
"hihihi! weisst du was, meine Frau meinte, sie versteht und mag poesie auch eigentlich nicht so... dann traf sie mich eben... und versteht die welt der poesie plötzlich sehr! achtung! nicht nur die welt und die inhalte meiner poesie! "normalfall"? was ist den das? :) jetzt könnte ich dich fragen: was ist normal? siehst du, wir haben jetzt hier (dankend meiner poesie oder "poesie") ein gesprech entwickelt! ist das nicht sinnvoll? oder eben mindestens: hochachtungsvoll! in diesem sinne, grüsse ich dich herzlich!"
*
Ingrid:
"ja, das Problem bei Nichtinteresse ist nur das, dass du es so halbherzig liest und nur wirklich bahnbrechende Dinge, dir ins Aug stechen. Auch wenn die anderen Dinge gut sind, merkst du es gar nicht wirklich, weil du halbherzig liest. So, wie wenn du etwas tun musst, das du gar nicht gerne tust. Was tust du nicht gerne?"
*
"Gedicht, Dichter, dichten kommt von dicht: es geht hier um die Verdichtung von Sprache, Gefühlen, Wissen, Geistigem. Es ist wie in de Malerei: Mit der Erfahrung im Medium suche ich zu verdichten, Schichten, welche nicht mehr sichtbar sind trotzdem fühlbar zu machen. Die Aussage auf den Punkt bringen in einer dichten Formensprache oder eben halt in einer dichten Sprache. Dazu braucht es viel Erfahrung, es ist ein langer Weg, sei es der Weg der Sprache oder derjenige der Malerei oder... In diesem Sinne wünsche ich Dir auf dem Weg der Verdichtung weiterhin viel Vergnügen!!!!"
*
Ingrid:
"danke für diese interessante Interpretation. Das klingt ja recht spannend"
*
Ich:
"liebe Ingrid, was ich nicht gerne tue ist:
1. kopf in die seite zu drehen wenn jemand mir bekannt entgegen kommt,
2. belogen, beschimpft und ignoriert zu werden,
3. mich nur um meine eigene achse zu drehen,
4. einem der mir tief in die augen schaut und dabei die lügen erzählt, auf eine feine und ruhige art und weise mitzuteilen, dass ich weiss - er lügt mich an,
5. nicht immer zu reagieren wenn das nötig ist,
6. nicht einfach da stehen als ob mich die reale welt gar nicht mehr angeht,
7. gute und positive dinge nicht realisieren zu können und diese mit anderen zu teilen (ich glaube ich kann immer noch unterscheiden das gute vom unguten),
usw.
liebe Daniela, vielen lieben dank für Dein statement.
liebe alle, ich glaube unsere "auseinandersetzung" hier werde ich mir gerne einrahmen! :) velen dank noch einmal!"
*
Ingrid:
"nein, so meinte ich das nicht. diese zeilen klingen jetzt wie ein ganz wildes gedicht, sehr emotional. ich meine aber etwas anderes damit und zwar......vielleicht tust du ja nicht so gerne fotografieren, oder kochen, oder irgendetwas, das andere als hobby haben, aber dir sagt es eigentlich nicht viel. wenn du dann aber dich dafür interessieren solltest, dann empfindest du es als anstrengend. ich mag kochen nicht sehr gern. also gehen gehen mir die gespräche anderer frauen und männer über kochrezepte und tips ein wenig auf die nerven. also bin gespannt, was jetzt da von dir noch kommt" ;-)
*
Ich:
"hehehe! ja, ich weiss es, so meinte ICH es und nicht DU! wenn meine zeilen wie "ganz wilde gedichte" klingen, das kommt vermutlich davon, dass in mir ein wilder(er) steckt! :) und eben, ich dachte Du wusstest es - ich bin doch ein sehr emotionaler typus! kochen tue ich gerne nur für meine kinder. meine tochter meint aber fast immer, dass ich es nicht gut kann! der kleine sohn wiederum lobte mich schon mehrmals... :) es gibt sicher dinge die ich ungerne mache aber diese kommen mir jetzt gar nicht in sinn! und es ist gut so! also, es scheint zu sein, dass dinge die mir gar nicht in sinn kommen mir gar nicht so wichtig sind! apropos die nerven, Du musst auf Deine nerven aufpassen meine liebe... lass Dich bitte nicht sehr von anderen beeinflüssen! oh man, manchmal klinge ich zimlich hellköpfig! hm, wer weiss ob ich das nun mag oder doch nicht!? :) so... Du warst gespannt... und jetzt? wie geht es Dir jetzt?" :)
*
Ich sendete dieses Rundschreiben an Ingrid, Margaretha und Daniela:
"meine liebe freundinnen, ich darf euch einladen um diese seite
http://vlado63.jimdo.com/gedichte/
bei der gelegentheit zu checken! dort findet ihr auch unsere diskussion die wir hier an der FB seiten führten! an diesen seiten wiederum
http://www.lyrikwelt.de/rezensionen/urauffuehrung-r.htm
sind ein paar worte vom sehr geschätzten schweizerischen literaturwissenschaftler, -kritiker und fachbuchautor herr dr. Mario Andreotti zu meinem genannten lyrikband zu lesen! ich hoffe, ihr findet auch unsere bisherige kommunikation und kreative auseinandersetzung so spannend und schön wie ich diese finde!
in diesem sinne, vielen dank, alles liebe und gute"

*
Margaretha antwortete:
"Lieber Vlado, habe alles eingehend studiert! Diese Kommunikation finde ich sehr aufschlussreich. Nun frage ich Dich, hast Du wirklich
literarische Tendenzen in Deine Poesie einfliessen lassen? Mir
schien eher, dass Deine Poesie etwas Urwüchsiges, Archaisches
in sich hat und direkt aus Deinem Herzen fliesst, sonst könnte sie
doch nicht gleichzeitig so kraftvoll sein."
*
Ich antwortete darauf:
"Liebe Margaretha, vielen Dank für Deine Zeit und Worte. Es gibt Gedichte die in sich etwas mehr davon haben was Du "die literarischen Tendenzen" nennst. Aber am meisten "werfe" ich ES in einer schriftlichen oder gestalterischen Form sehr spontan aus mir heraus. Das ist das vermutlich was Du als "archaisch" siehst/verstehst! Da ich die Sprachen und Literatur nie studierte, benutze ich diese manchmal (oder: öfters) anders! Sehr spannend finde ich dann die Erklärungen der Sprachwissenschaftlern..."
*
Margaretha:
Bedeutende Denker, Komponisten oder grosse Künstler stellten sich oft auch nicht in die Trendreihe. Sie haben eben kreiert. Sie liessen zwar die Werke Anderer auf sich wirken ohne dem en gros nachzufolgen. Sie bauten ihre eigene Welt, Beethoven zum Beispiel mit verbotenen Oktaven oder Van Gogh mit neuer Form- und Farbgebung. Und wen ging Goethe erst fragen? Was taten Kant und Nietzsche??? Ja, Vlado, weiter so!!! Klassifizieren überlasse den Kritikern, aber lasse Dich ja nie von Lobhudelei beeindrucken, dann überstehst Du es auch, wenn sie
Dich mal so gehörig zu Boden werfen, weil Du nicht in ihr Schema
passest. Das kann gut vorkommen, wenn man eigenwillig
arbeitet.
*
Ich:
Liebe Margaretha, vielen Dank! Ich habe schon einiges gelernt :) Ich hörte Leute nun sehr aufmerksam zu, die mich gelobt haben oder kritiziert! Nichts mehr und auch nichts weniger! :) Ich gehe meinen Weg, stolpere vielleicht manchmal dabei, aber ich geniesse es diesen zu gehen.

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BRÜN-Verlag

 

alles ist möglich

 

es besteht die Möglichkeit

es muss nicht so sein

wie es uns im ersten augenblick scheint

wir werden es im auge behalten

die lage ist nach wie vor unverändert

sie bleibt stabil in sich ist aber

in einem katastrophalen zustand

 

geht in die berge

motiviert euch um nicht zu vergessen

es besteht die möglichkeit

es möglich zu machen

 

***

 

‚morgen wird keiner von uns leben bleiben, wenn wir heute wieder nichts tun’ Gedichte, Herausgeberin: Margarete Sorg, D-Wiesbaden, BRÜN-Verlag 1999, ISBN 3-926759-58-5

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IGdA

Zeitschrift

DEIN NAME WEINT

dein Name weint

versilberte Buchstaben tränen

aus dem schwarzen Marmelstein

 

Jahresversammlung 1998

HINTER EINER ROTEN SONNE

hinter einer roten Sonne

ein blauer Regenbogen

unter ihm

violette Stufen nach oben

rechts und parallel mit violette Stufen

magentafarbige Stufen nach unten

an der Spitze der Violettstufen

ein Fernglas

in der Tiefe der Magentastufen

eine Hebebühne

 

HIER

AUF EINEM SICHEREN ABSTAND

hier

auf einer sicheren Entfernung von der Sonne

blühst du 

und lässt alle deine Säfte

auszubluten

Mensch

du fandest einen wunderschönen Ort

für das Blühen

für das Ausbluten

 

DAS KIND GOTTES

jeden Tag bringt mir der Fernseher dasselbe Bild

ein Kind wurde vergewaltigt

ein Kind wurde ins Unbekannte abgeschleppt

ein Kind wurde massakriert

ein Kind hat Kinder abgeschossen

jeden Tag lege ich Chrysanthemen

auf meinen Fernseher

nieder

 

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